"Classe politique" oder wenn der Bock zum Gärtner wird.

Eine Episode der besonderen Art war die Fingerübung mit dem selbst ernannten Super-Schweizer, Volkstribun und Milliardär, dem abgewählten Bundesrat Christoph Blocher. Wenn er durch schlüssige Argumente in die Enge getrieben wird, ist jedes Mittel recht. Dann ist er nicht mutig, sondern feige: taucht ab. Schweizerisch (fair, offen) ist daran gar nichts. Inzwischen ist es Allgemeingut: Der alte Mann aus Herrliberg einfach kann nicht aufhören. Zur Story:
Im April 2003  wehrt sich Bildungsfachmann und Zürcher alt Kantonsrat Jean-Jacques Bertschi gegen frei erfundene Korruptionsvorwürfe in grossen Medien - eine klare Verleumdung. 

[Vorweg ein Lob: Das unsägliche Blocher-Pamphlet "Mitenand gaats schlächter!" (was für ein Weltbild!) wird von der NZZ nicht einmal als bezahltes Inserat unkommentiert geschaltet, so unsauber ist es.]

Bertschi klagt. Und Blocher? Verschwindet und verstummt. Nach einem Jahr wird die hängige Strafklage Bertschis auf höchster politischer Ebene während und nach der Bundesratswahl (!) durch den schweizerischen Bundesrat im "Landesinteresse" blockiert. Die Aufhebung der Immunität des Justizministers (!) wird "im Interesse des Landeswohls" verweigert. Aber die Wahrheit kommt gleichwohl auf den Tisch:  Der Regierungsrat des Kantons Zürich bestätigt auf Anfrage die Haltlosigkeit der  Korruptionsvorwürfe. Unten finden Sie 3 Beilagen:
1. Den Ablauf der Affäre (Text 19.3.2004)
2. Die Stellung des Zürcher Regierungsrats
3. Den Bericht des "Tages-Anzeigers Zürich"

Dass darauf noch ein kostspieliges, ganzseitiges Schmier-Inserat mit anonymem SVP-Logo im TA erscheint und das Opfer zum Täter machen will, passt zur"demokratischen" SVP-Formel: Geld + Rhetorik + Skrupellosigkeit.

* * *

Seitenblick: Nimm's mit Humor. Wie die Macher der TV-Serie "Café Bâle". Sie ernennen Christoph Blocher während der grossen Basler Ägypten-Ausstellung aufgrund seines feigen Abtauchens flugs zum TUT-ANCH-IMMUN.
1. April 2004  Herrli-Bern 

Mysteriöser Fund im Mittelland

Büste von Tut-anch-immun  gefunden.

(kleiner Bruder des  Sonnenkönigs Tut-anch-amun, genannt: Sünneli-König)

Besitzer: "Café Bâle" SFDRS

 

 

Beilage 1: Und das sind die unbestreitbaren Facts:

 

Beilage 2: So entlarvt der Zürcher Regierungsrat die Unwahrheiten:

  Bildungsdirektion des Kantons Zürich

   

Herrn Rechtsanwalt
Dr. iur. Lorenz Baumann
Postfach
8024 Zürich

Zürich, 19. März 2004

Dr. Jean-Jacques Bertschi: Anfrage betreffend Staatsaufträge

Sehr geehrter Herr Dr. Baumann

Wir beziehen uns auf Ihr Schreiben vom 27. Februar 2004, in welchem Sie um Auskunft ersuchen, ob Dr. Jean-Jacques Bertschi im Zusammenhang mit der „Bildungskommission“ Aufträge des Kantons erhalten hat. Der Regierungsrat hat die Bildungsdirektion mit der Beantwortung dieser Frage beauftragt.

Vorab halten wir fest, dass es sich bei der so genannten Bildungskommission um die Kommission für Bildung und Kultur des Kantonsrates handelt, deren Mitglied Dr. Jean-Jacques Bertschi in der Legislaturperiode 1999/2003 war. Der in Frage stehende Zeitraum betrifft die Periode von der Wahl der Kommission durch den Kantonsrat am 7. Juni 1999 (vgl. Protokoll des Kantonsrates, Nr. 2, S.79) bis zum Ende deren Amtsdauer am 18. Mai 2003.

Die Abklärungen der Bildungsdirektion betrafen die Ämter und Abteilungen der Bildungsdirektion sowie die selbstständigen Institutionen, Universität, Zürcher Fachhochschule und Zentralbibliothek Zürich. Die Abklärungen ergaben das Folgende:

In der erwähnten Zeitspanne wurden Dr. Jean-Jacques Bertschi weder von der Bildungsdirektion noch von den erwähnten Anstalten Aufträge erteilt. Die einzige Entschädigung für eine Tätigkeit im Geschäftsbereich der Bildungsdirektion betraf eine Pauschale von 400 Franken für die Teilnahme von Dr. Jean-Jacques Bertschi an einer Weiterbildungsveranstaltung für die Lehrkräfte des Realgymnasiums Rämibühl vom 6. Oktober 1999.

Zwei weitere von der Staatsbuchhaltung erfasste Rechnungen vom 17. Juni 1999 bzw. 11. Mai 2000 an die Firma Bertschi Consulting standen im Zusammenhang mit dem in der Öffentlichkeit bekannten Auftrag im Zusammenhang mit der Zürcher Mitarbeiterbeurteilung. Dieser Auftrag wurde jedoch vor der Wahl von Dr. Jean-Jacques Bertschi in die Kommission für Bildung und Kultur erteilt.

 Mit freundlichen Grüssen

Die Bildungsdirektorin
Regine Aeppli

Kopie an: Staatskanzlei

 

Beilage 3: Und so kommentiert die grösste Zürcher Tageszeitung das Machwerk: